Bündnerinnen werden erst spät Mutter

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Die Schweizerinnen waren bei der Geburt des ersten Kindes schon vor 50 Jahren im Europavergleich älter als der Durchschnitt. Unterschiede gibt es aber auch im kantonalen Vergleich.

Text: Romina Kranz (Redaktorin, Südostschweiz vom 30. Januar 2024)

In den letzten 50 Jahren hat sich das durchschnittliche Alter der Schweizerinnen bei der Geburt ihres ersten Kindes verändert. Das Bundesamt für Statistik hält fest, dass die Schweizer Frauen in den Siebzigerjahren durchschnittlich 27 Jahre alt waren, als sie zum ersten Mal Mutter wurden. Damals war der Unterschied zwischen den Schweizerinnen und den Frauen aus dem Ausland zwar minimal. Dennoch waren auch schon zu diesen Zeiten schweizweit die Frauen durchschnittlich älter als der europäische Rest.

Die heutigen Unterschiede

Studien zeigen, dass das Alter der werdenden Mütter europaweit tendenziell steigt. Und es zeigen sich europäische, aber auch kantonale Unterschiede beim Durchschnittsalter der werdenden Mütter. «Die Frauen in der Schweiz sind bei der Geburt des ersten Kindes durchschnittlich 31,2 Jahre alt und gehören damit – knapp hinter den in Spanien und Italien lebenden Frauen – zu den ältesten Müttern in Europa», schreibt das Bundesamt für Statistik auf seiner Internetseite. Das Durchschnittsalter der Frauen liegt in Europa bei 29,7 Jahren. Mit einem Durchschnittsalter von 32,3 Jahren befindet sich Graubünden bei der Statistik im Mittelfeld. In Glarus sind laut Statistik die jüngsten Mütter der Schweiz (31,2 Jahre), in Basel Stadt (33,4 Jahren) die älteste.

«Es ist auch noch bei einem Alter um die 40 Jahre möglich, schwanger zu werden.»

Christian Breymann
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Klinik Hirslanden

Gibt es die «biologische Uhr»

Warum sich eine Frau mit der Familienplanung Zeit lässt, darf sie für sich selbst entscheiden. Dabei sollte bei einem Kinderwunsch die Zeit nicht ausser Acht gelassen werden. «Die biologische Uhr ist eine Tatsache des Lebens», schreibt die Klinik Hirslanden auf ihrer Internetseite. Aus medizinischer Sicht wird ab dem 35. Lebensjahr von einer Risikoschwangerschaft gesprochen. Eine Schwangerschaft wird deshalb als Risiko betitelt, weil ab dem 35. Lebensjahrder Fehlgeburten und die Veränderung der Chromosomenzahl beispielsweise Trisomie-21 immer häufiger auftreten können.

Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, verlieren Frauen im Laufe des Lebens an Fruchtbarkeit. «Frauen werden mit einer begrenzten Anzahl von Eizellen geboren. Ab Mitte bis En- de 30 nimmt die Anzahl und Qualität der Eizellen deutlich ab», heisst es bei Hirslanden weiter. Zudem sei die Befruchtung der Eizellen von älteren Frauen nicht mehr so einfach wie bei jüngeren.

Auch Männer sind betroffen

«Die Stammzellen altern und mit jeder weiteren Teilung steigt die Gefahr von Mutationen und der Bildung von gezielten Defekten im Erbgut, die zu verschiedenen Erkrankungen führen können», schreibt Hirslanden.

Laut dem Facharzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, Christian Breymann, sei es auch noch bei einem Alter um die 40 Jahre möglich, schwanger zu werden. Ein gesunder Lebensstil und eine gesunde Ernährung seien dabei fördernd. Ausserdem sollte die Frau auf Nikotin und hohen Alkoholkonsum verzichten, wenn eine Schwangerschaft angestrebt werde.

Auch auf den Vitaminhaushalt und Mangelzustände sollte geachtet werden. Bei einem Eisen- oder Vitamin-D-Mangel sollten Frauen diesen normalisieren beziehungsweise beheben lassen. Doch das ist nicht alles. «Es ist bekannt, das Folsäure, Vitamin-B-Komplex und Spermidine (ein Weizenkeimextrakt) einen positiven Einfluss auf den Eisprung und die Eizellreifung haben», schreibt Breymann. Ebenso seien Omega 3 und Omega 6 für eine Schwangerschaft förderlich. Alles, was eine Frau selber positiv beeinflussen könne, sollte sie beachten, um ihre Chancen zu erhöhen, schwanger zu werden. «Den Rest entscheidet die Natur und natürlich die Spermaqualität des Mannes», schreibt Breymann abschliessend.

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