Nicht alles, was machbar ist, ist gut
Gedanken zur Leihmutterschaft (NZZ Leserbrief)
Nicht alles, was machbar ist, ist gut – Es ist aus meiner Sicht völlig unwichtig, in welchem Land und warum die Leihmutterschaft erlaubt ist, denn die Tatsache, dass sie in einem Land zugelassen wird, macht sie ethisch und moralisch nicht unbedenklicher («Leihmutterschaft ist in den USA völlig normal», NZZ 5. 8. 26).
Herr Spahn wurde nicht entlassen, weil er eine Leihmutter für sein Kind benutzte, sondern weil er die Leihmutterschaft im eigenen Land ablehnte und dann mit dem Umweg über die USA das deutsche Recht umging. Diese Doppelmoral ist nicht mit der christlich-sozialen Politik und deren Prinzipien vereinbar.
Abgesehen von den grossen ethischen Bedenken in Bezug auf die Leihmutterschaft gibt es konkrete, schreckliche Geschichten und Dramen, die nur selten in den Artikeln erwähnt werden. Leihmütter, die aufgrund von unerwarteten Erkrankungen oder unerwarteten genetischen Veränderungen bei den Föten schliesslich auf den Kindern «sitzen» blieben, da die «Eltern» sich weigerten, das Kind anzunehmen. Leihmütter, die selber schwer erkrankten und ihr Leben für andere aufs Spiel setzten. Nicht alles, was machbar ist, ist gut.
Nicht alles, was medizinisch machbar ist, ist ethisch-moralisch akzeptabel.
Schliesslich bleibt das Argument der Befürworter, wonach es kein Recht gibt, den freien Willen eines Menschen einzuschränken. Aber eine Tat, die ethisch und moralisch höchst bedenklich ist, wird durch den Willen, sie auch auszuführen, nicht legitimer.
Christian Breymann, Zürich (August 2026)